Grussbotschaft von Hélène Revaz

Die Walliser Gehörlosen feiern dieses Jahr ihr 75-Jahr Jubiläum. Dreiviertel eines Jahrhunderts ist ein langer Weg mit vielen Erinnerungen.

Im Wallis sind wir mehrheitlich katholisch. Die Katholische Gemeinschaft hat deshalb immer einen Platz im Leben der Gehörlosen gehabt. Pfarrer haben sie von Anfang an begleitet und bei Treffen, vor allem bei der traditionellen Weihnachtsfeier oder auch an Hochzeiten, die Feierlichkeiten zelebriert. Ich kann nicht über die 40er und 50er Jahre berichten, da ich damals noch nicht bei den Gehörlosen dabei war. Aber ich kann über die Zeit der 60er bis 80er Jahre vom kirchlichen Leben der Gehörlosen erzählen.

Im Sommer 1963 wird „Notre Amitié“ (unsere Freundschaft) mit einem Treffen von jungen gehörlosen Mädchen, vorwiegend ehemalige Schülerinnen von Bouveret gegründet. Ausflüge, Wochenenden oder Pilgerfahrten werden organisiert, begleitet von einem Pfarrer, der die Messe zelebriert. Eine Zeitschrift unterhält den Kontakt. „Notre Amitié“ existiert über Jahre. Ich durfte die Gruppe während 20 Jahren begleiten, eine Zeit voller Erinnerungen. Mit der Einsetzung von Pfarrer Frimin Rudaz wurde die Gemeinde nach und nach zu etwas wie einer Kirchgemeinde. Mittlerweilen findet regelmässig durchschnittlich eine Messe pro Monat statt. 1989, nach dem Tod von Firmin Rudaz, wurde Pfarrer Jean-Michel Lonfat sein Nachfolger. 25 Jahre später ist er immer noch da, seiner Aufgabe treu, uns zu begleiten und immer wieder den weiten Weg vom Hospiz des Grossen St. Bernhard auf sich zu nehmen, um uns zu treffen und die Botschaft und das Brot des Lebens zu bringen.

Auch wenn die Katholische Gemeinschaft der Gehörlosen im Wallis einen langen Weg mit vielen schönen Erinnerungen hinter sich hat, darf man nicht vergessen, dass dies dem Verständnis des Bischofs von Sitten zu verdanken ist, der verstanden hat, dass wir, die Gehörlosen, einen eigenen Pfarrer brauchen. Auch verdanken wir dem Stift des Grossen St. Bernhard, dass einer ihrer Brüder uns betreut. Die Katholische Gemeinde muss lebendig und brüderlich bleiben, sie muss ihren Weg trotz der schwierigen Zeit und störendem Gegenwind fortsetzen. Junge Kräfte haben das Steuer übernommen, treue und motivierte Menschen, die das Gute bewahren und Fortschritte bewirken können.

Alles Gute unserer Gemeinschaft!

Hélène Revaz